01. / 02. April 2023

Jan Brandt

Autobiografisches Schreiben

Hamburg





Alexa Hennig von Lange

JAN BRANDT, geboren 1974 in Leer (Ostfriesland), studierte Geschichte und Literaturwissenschaft in Köln, London und Berlin und besuchte die Deutsche Journalistenschule in München. Sein Debütroman »Gegen die Welt« (Dumont 2011) stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und erhielt den Nicolas-Born-Debütpreis. Seitdem veröffentlichte er mehrere autobiografische Bücher wie etwa »Tod in Turin« (Dumont 2015), »Stadt ohne Engel« (Dumont 2016) und zuletzt »Ein Haus auf dem Land/Eine Wohnung in der Stadt« (Dumont 2019/2020). Für die ostfriesische Tageszeitung »General Anzeiger« schreibt er jeden Samstag die Kolumne »Brandts Welt«.

Foto: Anika Buessemeier



Wie macht man aus seiner Biografie eine spannende Geschichte, die sich im besten Falle so liest wie ein großartiger Roman? Was gehört dazu und was sollte weggelassen werden? Kann man sich auf seine Erinnerungen verlassen, und darf der Text überhaupt von den Tatsachen abweichen, oder muss man sich streng an die Fakten halten? 


Und welche Probleme entstehen, wenn Menschen, die einem nahestehen, sich wiedererkennen könnten? Welche Form ist die Richtige – Tagebuch, Journal, Bericht oder doch gleich ein Roman? Und wer ist eigentlich das Ich, das da erzählt – bin ich das selbst oder jemand anderes? Es sind viele Fragen, die man sich erst einmal stellt, wenn man sich daran macht, aus dem eigenen Leben Prosa zu machen. 


Die klassische Definition für autobiografisches Schreiben ist eine Selbstmitteilung über das eigene Leben, eine Mitschrift der Gegenwart oder eine Rückschau auf die Höhe- und Tiefpunkte des Daseins und die Frage: Wie bin ich zu dem geworden, der ich jetzt bin? Was hat mich geprägt, was macht mich aus? Der Autor oder die Autorin ist meist identisch mit dem Erzähler oder der Erzählerin. Und die Spannung entsteht oft schon allein aus dem Verhältnis der subjektiven Wahrnehmung und den objektiven Ereignissen, die Eingang in unser kollektives Gedächtnis finden oder gefunden haben. 


Seit einigen Jahren erlebt demgegenüber die Autofiktion eine Hochzeit, in der die Grenzen zwischen Echtem und Erfundenem verschwimmen, in der das Hinzugedichtete oder Fantastische so genau und glaubhaft erzählt ist, dass es als Abbild der Realität durchgeht. 


Im diesem Seminar sollen genau all diese Fragen erörtert werden. Wir sprechen ebenso über selbst verfasste autobiografische Texte wie über die jüngsten Klassiker des autobiografischen und autofiktionalen Schreibens wie zum Beispiel Karl Ove Knausgards sechsbändigen Romanzyklus und Dave Eggers Memoir »Ein herzzereißendes Werk von umwerfender Genialität« oder Annie Ernauxs Lebensbericht »Die Jahre« und Isabelle Lehns Spiel mit ihrem Ich in »Frühlingserwachen«. Dabei soll es um das gehen, was erzählenswert ist und was nicht, über die Möglichkeiten, Herausforderungen und Schwierigkeiten, so nah am eigenen Leben entlangzuschreiben. Im Vordergrund steht die Praxis, der Alltag als Material und natürlich vor allem das Handwerk des Erzählens. 


Anhand eigener autobiografischer Texte kommen die Teilnehmenden ins Gespräch. Wir möchten Sie daher bitten, uns im Vorfeld einen autobiografischen Text zukommen zu lassen. Dieser Text sollte maximal 20 Normseiten lang sein (eine Normseite entspricht 1.800 Zeichen inklusive Leerzeichen), kann aber gerne auch kürzer sein. Das kann ein Auszug aus einer längeren Geschichte sein oder eine extra fürs Seminar geschriebene Erzählung. Diesen Text müssen Sie nicht gleich mit Ihrer Bewerbung mitschicken, sondern können diesen auch später noch nachreichen. Aus allen eingereichten Texten erstellen wir einen Reader, den wir jedem Teilnehmer vor Seminarbeginn als pdf per E-Mail zusenden.  




ZEIT: 01. bis 02.04.2023, jeweils von 10 bis 18 Uhr

KOSTEN: 239,00 € (inkl. MwSt.)

MAXIMALE TEILNEHMERZAHL: 12

ORT: Nernstweg 32, 22765 Hamburg